Chapter

Süden und Norden

„He, Tonerl wo steckst? Bring’ mir noch einen Laib heraus. Wenn die Ehhalten vom Heuwenden herein kommen, werden sie tüchtig Hunger haben!“ rief die Bäuerin des Funkenhauser-Hofes, die auf der Bank neben der Hausthür saß, eine mächtige irdene Schüssel im Schooße, in welche sie den Rest eines runden Brodlaibes zu kleinen Scheiben aufschnitt. „Na, was ist’s?“ wiederholte sie nach einer Weile, als der Vorrath beinahe zu Ende war, ohne daß Jemand sich eingefunden oder auf den Ruf gemeldet hätte. „Wie lang’ soll ich denn noch warten? Sitz’st auf den Ohren oder bist gar eing’schlafen am hellen lichten Tag?“ „Gleich, Mutter, gleich!“ antwortete jetzt eine frische Stimme, der man die Jugend und ihre Freudigkeit in jedem Tone anhörte, wenn sie auch weit entfernt klang und wie aus den innersten Räumen des Hauses kommend. „Wo sie nur wieder sein muß!“ fuhr die Bäuerin kopfschüttelnd für sich fort. „Es laut’ als wenn sie drunten im Keller wär’ oder gar droben in dem höchsten Dachstübel …“ Nach einigen Augenblicken erschien die Gerufene in dem Hausgang und blieb auf der Thürschwelle stehen; es war eine große kräftige und dennoch schmeidig und schlank gebaute Mädchengestalt, mit wohlgeformtem Angesicht von frischer klarer Farbe, zu welcher das reiche braune Haar trefflich stand und in seinem echten Kastanienglanze nur von dem mildem Schimmer der gleichfarbigen Augen erreicht ward. Es war in

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