Stummer Wandel
Unten im Tale lag ihre Väterei, ein uraltes Bauernhaus, mächtig, mit langer Front und ungeheurem Dachausbau, ein Giebel breit und hoch unter einem alten, nun halb zerborstenen Pappelbaum. In weißem Grunde die Balken in Schwarz, daß das Holzgeäder die Wände in Felder einteilte – die durchsetzt waren mit schwarzen Querbändern, und in den mächtigen Wänden kleine Bauernfenster zu ebener Erde und oben, wo die leeren Stuben unheimlich sich dehnten, in deren einer allerhand Gold- und Silberkränze unter Glas und Rahmen hingen, in deren anderen Stroh herum lag, und nichts stand, als ein alter, zerbrochener Schrank, ein bunter Schub mit einem Brautkranz und Brautkleid der Großmutter drin – nichts sonst – und wo im Winter die alte, fromme Großmutter Gebauer ihre Birnen und Äpfel auf Stroh hinbreitete, lange mit gefalteten Händen besichtigte und Gott für den Segen dankte. Und oben war ein weiter, weiter, schier endlos scheinender Dachraum, hoch – und die Bretter im ganzen Hause krachten, wenn man hinaufstieg, und es war dunkel und öde, daß Eva sich hinter der Großmutter dicke Röcke einhuschte, und die Großmutter fast schalt, wenn sie dabei im Gehen behindert war, und beide, sie und die Magd, den Wäschekorb auf der Treppe abhocken mußten. Und um das Haus, dem der Großvater noch einen neueren Scheunenbau mit Stall vor die Tür gesetzt hatte, lag in grauem Mauerwerk ein mächtiger Obstgarten –