Chapter

Stumme Rache

»Du hast etwas auf dem Herzen, Pietro, ich sehe dir's an!« sprach der Marchese Luigi zu seinem alten Diener, den er als Erbstück von seinem Vater übernommen hatte. »Du schleichst mir so verdächtig im Hause herum, würgst immer an den Worten und verziehst die Mienen, als ob dir ein Bein im Halse steckengeblieben wäre. Ich mag das nicht, alter Murrkopf! Wenn du ein Anliegen hast – heraus damit. Den Kopf wird's nicht gelten, weder deinen noch meinen. Ich habe schon manches Unangenehme im Leben erfahren, das wird sich wohl auch noch ertragen lassen!« »Nun denn in Gottes Namen, Signor«, begann der Diener, sichtbar im Kampfe mit seinem Innern, »weil's muß! Signor, es wird unerwartet kommen, aber leider ist es so.« »Nun, mach's kurz!« »Ich kann's nicht sagen, Signor«, stotterte Pietro nach einer langen Pause, »ich will noch einmal abwarten – könnte mich doch irren!« »Nun, so schweig, alter Rabe, und krächze mir nicht solches Zeug vor, das keinen Sinn hat!« »Ach, keinen Sinn«, brummte Pietro in den Bart, rieb die Stirn und entfernte sich kopfschüttelnd. »Was er nur haben mag?« sprach der Marchese zu sich selbst. »Ei, vielleicht weiß er's selbst nicht. Solchen alten Träumern fährt oft allerlei durch den Kopf, und am Ende steckt nichts dahinter. Er war von jeher solch ein Zweifelskrämer.« Aber verhehlen konnte sich's der Marchese doch nicht, daß ihn Pietros Kopfschütteln beunruhigte. Der

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