An Michael Georg Conrad in herzlicher Verehrung
An Michael Georg Conrad in herzlicher Verehrung Lieber Conrad, Sie haben schon manche Beichte von Studenten gehört, wenn sie zu Ihnen kamen und Ihnen erzählten, wie sie durchaus Dichter werden möchten; es gäbe keinen Ausweg mehr, denn der Drang sei zu schrecklich, und überdies hätten sie auch schon die schwere Menge von Erlebnissen erlebt, sodaß es die höchste Zeit sei, nun endlich gedruckt zu werden. Ich kenne Ihr aufmerksames Lächeln, lieber Freund, mit der Sie solche Beichten hören, und ich weiß, mit was für großen, merkwürdig listigen Blicken Sie solchen Beichtlingen die Seele von den Mienen ablesen, sodaß Sie, glaube ich, zuweilen mehr erfahren, als was Sie hören. Ich war ja auch einmal so ein Student und Beichtkind von Ihnen. Das ist nun schon fast zehn Jahre her, und mittlerweile hat sich mancherlei begeben, das Einem so vorkommt, als wären viel mehr als blos zehn Jahre darüber hingegangen. Wir litterarischen Füchse von damals, denen Sie immer ein so lieber prächtiger Fuchsmajor gewesen sind, und die wir nicht ganz unähnlich jenen alttestamentarischen Füchsen waren, die weiland Simson der Held mit brennenden Schwänzen unter die Philister schickte, wir sind nun auch schon so was wie Alte Herren geworden, und es fehlt unter denen, die nach uns gekommen sind, nicht an solchen, die jetzt uns für die Philister halten. Das ist der Lauf der Welt, und der geht heute sehr