Streiflichter
»Die Presse ist eine Macht!«Ganz gewiß, und im Lehrbegriff eben so wahr, als daß alle Gewalt vom Volke kommt. Alles hängt davon ab, wie Macht und Gewalt gehandhabt werden, denn mit bloßen Redensarten ist es nicht gethan, so wenig als mit einer papiernen Verfassung und einem Landtag von Jaherren. Laßt uns also einmal zusehen, wie es mit der Verwaltung unserer Macht im Ganzen und Großen bestellt ist. Laßt uns die Mängel freimüthig bekennen, nicht um Aergerniß zu erregen, sondern um durch die Erkenntniß die Besserung anbahnen zu helfen. Nur die Selbsterkenntniß führt zum Fortschritt, und nicht umsonst ruft seit Jahrtausenden die mahnende Weisheit ihr: Kenne dich selbst! Der Preßbengel ist kein Herrscherstab von Gottes Gnaden, sondern durch allgemeine Abstimmung, zu welcher das Recht kein Ministerium Brand-Teufel, keine Burggrafen und keine Schreiberherrlichkeit beschneiden, besonders heutzutage, wo die Presse ihren Einfluß fast ausschließlich durch die Zeitungen übt. Eine Zeitung gewinnt nur Ansehen, wenn sie von der öffentlichen Meinung getragen wird, obschon viele Leute sich einbilden, die öffentliche Meinung lasse sich durch Zeitungen machen, leiten, beherrschen. Wäre das der Fall, so hätten wir weder zu Wien noch zu Berlin die Märzstürme erlebt, denn in den Tageblättern jener Städte war seit dreißig Jahren das innere Dichten und Trachten des Volks mit dicken Deckfarben