Erstes Kapitel
Am blauen, durchsichtigen Himmel zogen weiße Wölkchen friedlich von Osten nach Westen. Ein paar Schwalben schossen durch den Äther. Das und der Wipfel einer dunkelgrünen Kiefer waren das einzige, was Paulus van Geldern seit sechs Monaten, seit dem Beginn dieses Jahres 1931, von der Welt sah. Er stand in seiner hellgetünchten Zelle unter dem hohen Gitterfenster mit erhobenen Augen und blickte da hinaus durch das besonnte Rechteck, dessen Eisenstäbe in der Morgensonne glitzerten. Er dachte nichts. Seine Seele war hinausgeflogen in die leuchtende Weite, war eins und tief verbunden mit einer anderen, der er in Liebe ergeben war. Hinter seinem Rücken rasselten die Schlüssel. Die wuchtige Eisentür ging auf, und der Aufseher, ein hoher, schlanker, blonder Mensch, stand in dem schmalen Türrahmen: »Es ist Zeit, Herr van Geldern. Sie müssen zur Verhandlung!« Van Geldern drehte sich langsam um. Er blickte durch den jungen Aufseher hindurch, als sei der Mann aus Glas. Er sah in diesem Augenblick schon den Schwurgerichtssaal vor sich, angefüllt mit Menschen, die gekommen waren, um seine Erniedrigung mitanzusehen, das Urteil über seine Schuld oder Unschuld zu hören. Da richtete er sich mit einem Ruck in die Höhe, warf den Kopf mit dem kurzgeschnittenen dunklen Haar in den Nacken und trat an dem zurückweichenden Aufseher vorbei hinaus aus der Zelle auf die Galerie. Er ging schnell zur