Ein Sonntagmorgen
Wir sind im Dorfe. Alles ist still auf der Straße, die Häuser sind verschlossen, da und dort ist ein Fenster offen, es schaut aber niemand heraus. Die Schwalben fliegen nah am Boden und haben niemand auszuweichen. Auf dem Brunnentroge am Rathause sitzen andere Schwalben, trinken und schauen sich klug an und zwitschern miteinander und halten Rat, als ob das Dorf nur ihnen allein gehöre. Vornehme Bachstelzen trippeln herzu und schwänzeln davon und schweigen still, als wollten sie damit kundgeben, sie wüßten schon alles und noch viel besser. Nur eine Schar Hühner hat sich um die Schwalben versammelt und lauscht begierig ihren Reden. Sie hören wohl von freiem Wiegen in den Lüften, von Ziehen übers Meer und nach fernen Landen; denn sie heben und dehnen oft ihre Flügel und lassen sie wieder sinken und schauen trauernd auf, gleich als wüßten sie nun wieder aufs neue, daß sie stets am Boden haften und fremden Schutz bei Menschen suchen müssen. Besonders eine kohlschwarze Henne mit rotem Kamme hebt und senkt ihre Flügel oft und oft. Eine Gluckhenne wandelt das Dorf hinauf, sich stolz prustend im Kreise ihrer Söhne und Töchter, die sie durch stete Ermahnungen um sich versammelt hält und mit ihrem Funde ätzt. Sie will nichts von freiem Wiegen in den Lüften, von der Sehnsucht nach der Ferne. Eine wundersame Stille liegt auf dem ganzen Dorfe. Die Menschen haben die getrennten Wohnungen