Die Fremde
Sie tauchte an einem Dienstag auf, zur Nebensaison, als das Dorf fast leer war und nur die Einheimischen blieben — die Fischer, die Bäckerin, der Arzt und Heinrich, der keines von allem war und trotzdem dazugehörte, weil er seit zwölf Jahren da war und das in einem Dorf von hundertfünfzig Seelen ausreichte. Sie mietete das Häuschen neben dem Hafen und trug immer einen Rucksack, der zu schwer für ihre schmalen Schultern schien.
Heinrich bemerkte sie zuerst im Laden, wo sie Brot und Käse kaufte und die Bäckerin auf Deutsch ansprach, mit einem leichten Akzent, der verriet, dass es nicht ihre erste Sprache war. Sie war vielleicht dreißig, mit dunklen Augen und einem Gesicht, das Heinrich an jemanden erinnerte — nicht an Margarete, nicht an eine seiner Schülerinnen, sondern an ein Gefühl, eine Stimmung, als hätte er diese Frau nicht gesehen, sondern gelesen, in einem Buch, das er vergessen hatte.
Sie sprachen zum ersten Mal am Strand, als der Regen einsetzte und beide keinen Schirm hatten. Sie stellte sich unter die Markise des Strandcafés, das geschlossen war, und Heinrich tat es ihr gleich, und sie standen nebeneinander und sahen dem Regen zu, ohne zu sprechen, und das Schweigen war so bequem, dass keiner von beiden das Bedürfnis verspürte, es zu brechen. Als der Regen aufhörte, sagte sie: Danke, und Heinrich antwortete: Wofür?, und sie lächelte und sagte: Dafür, dass Sie nicht