Das Haus Am Meer
Heinrich stand jeden Morgen um sechs auf, nicht weil er musste, sondern weil sein Körper sich nach vierzig Jahren Schuldienst weigerte, länger zu schlafen. Er kochte Kaffee in der kleinen Küche, trug die Tasse auf die Veranda und sah dem Meer zu, das immer dasselbe tat und doch jeden Tag anders aussah. Das Haus war zu groß für einen einzelnen Mann — vier Zimmer, zwei davon leer seit Margaretes Tod — aber Heinrich hatte sich an die Leere gewöhnt, so wie man sich an ein Geräusch gewöhnt, das nie aufhört.
Die Tage hatten eine Struktur, die niemand ihm auferlegt hatte und die er dennoch einhielt wie einen Lehrplan. Morgens der Spaziergang am Strand, wobei er Steine sammelte, die ihm gefielen, und sie in die Schale auf der Fensterbank legte, wo sie trockneten und ihre Farben verloren. Mittags eine Suppe und die Zeitung, die er las, ohne sich aufzuregen, weil die Welt ihm nicht mehr gehörte, sondern den Jungen, die es besser machen würden oder auch nicht. Nachmittags ein Buch, abends das Meer, und dazwischen die Stille, die weder feindlich noch freundlich war, sondern einfach da.
Er vermisste das Unterrichten nicht, aber er vermisste die Gesichter. Dreißig Gesichter pro Klasse, fünf Klassen pro Tag, vierzig Jahre lang — Tausende von Gesichtern, die er gelehrt hatte, Kommas zu setzen und Gedichte zu verstehen und zwischen den Zeilen zu lesen. Manchmal, wenn er am Strand ging, sah er