Steirische Bauern
Ein Mann führt ein Pferd, das den landesüblichen kleinen Gebirgskarren zieht. Das Pferd heißt »Spiegel« und ist verläßlich und stark. Da der ausgewaschene Hohlweg durchfahren ist, verknotet der Fuhrmann die Leine und tritt hinter den Karren. Jetzt haben wir Zeit genug, einen Gesprächsfaden zu spinnen; denn der gleichmäßig steigende Weg hat noch lange nicht die Höhe erreiche und das Pferd bedarf keines ermunternden Zurufs, es legt selber die Ruhepausen ein, um zu verschnaufen und zieht von selber wieder an. So reden wir – vom Wetter, vom Kornschnitt, von den Zuwächsen im Stall – und bevor wir noch die Hochfläche von St. Oswald erreicht haben, gewinne ich eine kleine Vorstellung davon, wie es um meinen Begleiter und sein Haus bestellt ist, ich kenne sogar seine Kinder mit Namen, ebenso die Dienstleute und ein Stück von der Dorfgeschichte. Mein Begleiter hat mich eingeladen, bei ihm über Nacht zu bleiben. So hat mein Weg für heute sein Ziel gefunden und es ergibt sich, daß ich bei der Ankunft schon guten Bekannten die Hand schüttle, das Nachtmahl mit ihnen teile und nachher vor der Haustür auf der langen Holzbank sitze, während der fünfzehnjährige Severin neben dem immerfort fließenden Brunnen die Ziehharmonika spielt. Es ist ein Feierabend, wie er in aller Welt gehalten wird, wo der Mensch noch seine Hände rühren kann, sein Stück Erde unter sich hat und wo die Sterne nicht