Chapter

1. Kapitel

Der kleine Ort Reifenstein war rings von prächtigen Wäldern umgeben. Das mochte auch der Grund sein, daß sich in den Sommermonaten eine Menge Fremde hier einfanden, die in dem würzigen Waldklima Stärkung ihrer Nerven und Erholung suchten. So herrschte in Reifenstein während der Sommermonate stets ein lebhaftes Treiben, und in den ausgedehnten Waldungen sah man hell gekleidete Damen aller Provinzen spazierengehen. Unweit der Stadt, etwa zehn Minuten von dem letzten villenartigen Gebäude entfernt, lag die Oberförsterei Tannhausen. Ihr unterstanden verschiedene Forstbezirke, über die jedesmal ein Förster zu wachen hatte. Die kleinen Forsthäuser, die in dem großen Forst verstreut lagen, bildeten Ausflugspunkte für die Sommergäste; denn die freundlichen Förstersleute gaben ihren Gästen gern ein Glas gute Milch, ein prächtiges Stück selbstgebackenes Brot, das dick mit frisch zubereiteter Butter gestrichen war. Die Oberförsterei, ein recht hübsches weißes Gebäude mit blitzenden Fensterscheiben, lag in einem großen Garten, der eine sorgsame Pflege verriet. Die Bewohner von Reifenstein wußten, daß die Oberförsterin nicht allein eine gute Hausfrau, sondern auch eine vorzügliche Gärtnerin war, die es verstand, ihr Hauswesen und all ihren Besitz in bester Ordnung zu halten. Auch der Oberförster Uhde galt als ein tüchtiger, gerechter und liebenswürdiger Herr, der von seinen Beamten und von

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