Erster Teil - I
Durch das Oberlicht an der Decke fiel der Tag in das geräumige Atelier. Es war ein großes Viereck voll strahlenden, bläulichen Lichtes, eine helle Öffnung, in die das unendliche Himmelsblau hineinschaute, durch das blitzschnell die Vögel dahinschossen. Aber kaum war das fröhliche Himmelslicht in den hohen, ernsten, drapierten Raum gefallen, so ward es sanft, fing sich in den Stoffen und wurde von den Vorhängen verschluckt, sodaß es kaum noch die dunklen Ecken erhellte, wo bloß die Goldrahmen wie Feuer aufleuchteten. Hier schienen Friede und Ruhe hergebannt, in die Stille des Künstlerheims, wo die Menschenseele arbeitet. Innerhalb dieser Wände, die der Gedanke bewohnt, in denen er kämpft und ringt ohne Unterlaß, erscheint alles matt und müde, sobald der Schöpfer ruht. Nach seinen gewaltigen Anstrengungen ist alles wie tot, alles schlummert, Möbel, Stoffe, die noch nicht beendigten Porträts auf der Leinewand, als ob der ganze Raum unter der Müdigkeit des Meisters gelitten, mit ihm gerungen und täglich teilgenommen hätte an diesem immer wieder sich erneuernden Schaffenskampf. Ein unbestimmter Geruch von Malerei, Terpentin und Tabak lag über dem Raum, festgehalten von Teppichen und Möbeln. Kein andrer Laut unterbrach die tiefe Stille, als der kurze, helle Schrei der Schwalben, die über dem geöffneten Oberlicht hinschossen, und das unbestimmte Geräusch der Stadt, das kaum bis über