Chapter

Staatsanwalt Sierlin

1. An einem Märzabend kam Staatsanwalt Sierlin vom Landgericht in Berlin, wie gewohnt, nach Hause, als in der Nähe seiner Wohnung ein junger Mensch hinter ihm herging, der – wie es ihm schien – beim Vorübergehen seine Schritte verlangsamte. Da er aber weder ihn ansah noch zurückblickte, glaubte er sich getäuscht zu haben. Zwei Tage später, und fast um die gleiche Stunde und auf derselben Stelle, geschah das gleiche: wieder schien es ihm, als ob Schritte, die er hinter sich gehört, beim Näherkommen und Vorüberschreiten langsamer wurden. Diesmal faßte er die Person des Betreffenden ins Auge und sah ihr nach. Aber weder erkannte er in ihr die von vorgestern wieder, noch hatte er Veranlassung, sich weiter um den Fremden zu kümmern, denn er verschwand in dem trüben und mit Regen drohenden Abend. Er hatte den Vorfall bereits vergessen, als er die Tür seines, von der Straße durch einen kleinen Vorgarten getrennten, Hauses aufschloß. Erinnert wurde er erst wieder an die Begegnung, als sie sich am nächsten Abend, um eine Stunde später, aber wieder in nächster Nähe seines Hauses, zum zweiten Male wiederholte. Wieder war die stille Vorstadtstraße menschenleer. Die wenigen Häuser an ihr – voneinander getrennt stehende Villen – lagen still, wie immer. So auch der kleine Park ihnen gegenüber – Stolz der Anwohner und Freude ihrer Kinder, die im Sommer in ihm spielten. Wieder also hörte

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