Erstes Kapitel
Wiewohl wenig Länder in Europa, oder keines, so schnell in Wohlstand und Anbau sich gehoben haben, als Schottland während der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, so hätten doch Sultan Mahmuds Eulen zu jeder Frist während dieser blühenden Periode in Caledonien ihr Witthum von verfallenen Dörfern finden können. Zufall oder örtliche Vortheile haben gar oft die Bewohner alter Weiler aus Gegenden, welche ihre Vorfahren mehr der Sicherheit, als der günstigen Lage wegen wählten, in andere versetzt, wo ihr steigender Verkehr und ihre Industrie sich leichter ausbreiten konnten; darum sind manche Oerter, welche in der schottischen Geschichte ausgezeichnet sind, und auf David Macphersons vortrefflicher historischer Karte prangen, von dem Moorgrund nur noch durch das Grün, das ihre ehemalige Stelle bekleidet, oder durch zerstreute hürdenähnliche Trümmer zu unterscheiden, welche die Stätte ihres vorigen Daseins bezeichnen. Das kleine Dorf St. Ronans war zwar noch nicht zu dieser völligen Vergessenheit herabgesunken, näherte sich aber derselben seit etwa zwanzig Jahren mit eiligen Schritten. Seine Lage hatte so etwas Romantisches, daß jeder vorüberziehende Reisende versucht war, den Griffel in die Hand zu nehmen, und wir wollen daher versuchen, sie in Worten zu beschreiben, die wohl kaum unverständlicher sein werden, als manche Zeichnungen, wobei wir uns aber aus Gründen, die uns von