St. Martins Nachtwache
Der heilige Martin, Bischof von Tours, gilt für den Schutzheiligen der Kriegsleute, und namentlich aller Reiter; weil er selber, ein geborener Huszar von Günz im fernen Ungarlande, gar manchen kecken Ritt gethan hat, bevor er unter die Heiligen gegangen ist. Wir finden ihn auch viel seltener mit der Bischofsmütze und dem Krummstabe abgebildet, als hoch zu Roß, behelmten Hauptes, wie er mit dem gebogenen Reiterschwert seinen Mantel durchhaut, um die warme Hülle mit dem frierenden Bettler am Wege zu theilen; woraus wir schließen können, daß der, welcher als Krieger einen so frommen, milden Sinn hegte, als Priester und Erzhirt seines Amtes mit kriegerischem Muth gewaltet haben wird. Seines Namens Gedächtnis feiert die Kirche am, 11. November, dem Jahrestag seines Todes und es ist ein besonderer Vorzug des heiligen Martin, welchen er vielleicht einzig und allein noch mit dem heiligen Hubertus theilt, daß nicht nur die Kinder der alleinseligmachenden Kirche, sondern auch Christen anderer Bekenntnisse seinen Tag festlich begehen. Ja sogar die starren Engländer, die mit so ängstlicher Sorgfalt fast alles fliehen und meiden, was nur im entferntesten an »papistischen Aberglauben und Götzendienst« gemahnt, denen es schon für eine Sünde gilt am Freitag Fische zu essen, selbst diese haben eine Erinnerung wenigstens an das Fest des reisigen Bischofs bewahrt, indem sie am Tage des Erzengels