Erstes Kapitel
»Springinsröckel ...!« Holla, heda! was war das nur! Da wieder – aber lauter und schärfer: »Springinsröckel ...!« Alle Wetter! hatte da jemand gerufen? Eigentlich nicht! nur die blaugestrichene Tür an der Wirtschaft ›Zur Goldenen Kugel‹ klingelte auf – mit einem schrillen, impertinenten Geschrei, das kurz und abgerissen in dem nadelfeinen Schneegeknister verhallte. Der Große Markt war weißübersponnen. Ein scharfer Nordost trieb die bitterkalten Flöckchen eiligst zur Seite, wirbelte sie um die schmalstockigen Häuserzeilen und häufelte vor den Türschwellen flaumige Daunenpolster. »Prr! diese Kälte!« Die kleine niederrheinische Stadt konnte kaum atmen, so eisig schob der graue, dunstige Silvesternachmittag des Jahres 1861 seine winterlichen Launen über die fröstelnde Landschaft. Die alte Linde, die inmitten des geräumigen Marktes paradierte, erstarrte im Rauhreif, und vereinzelte Spatzen fielen tot von den Dächern herunter. Alles war mäuschenstill, verklammt, verlähmt in der kalten Einsamkeit, nur – wie gesagt: die blaugestrichene Tür an der Wirtschaft ›Zur Goldenen Kugel‹ klingelte auf – mit einem schrillen, impertinenten Geschrei, das kurz und abgerissen in dem nadelfeinen Schneegeknister verhallte. Gleichzeitig drehte sich ein kleines, zierliches Männchen, dem man ebensogut sechzig wie vierzig Jahre zubilligen konnte, ausstaffiert mit einem kegelförmigen Zylinder, einem