Chapter

Bahn-Vier-Um-Sechs

Nadia kam um sechs zur Bahn, weil um sechs niemand da war, der ihr beim Scheitern zusehen konnte. Sie ging Bahn vier ab, im Grau vor Sonnenaufgang, der Kunststoffbelag hart vor Kälte, und spürte die Stelle in ihrem Fuß, wo die Worte des Chirurgen noch immer saßen. *Die Sehne wird keine Wettkampfbelastung mehr tragen. Sie können für Ihre Gesundheit laufen.* Für die Gesundheit. Als hätte ihr ganzes Leben, seit sie zwölf war, der Gesundheit gegolten und nicht dem angehaltenen Atem der letzten zweihundert Meter, der ganz bestimmten, tierischen Freude, jemanden in der letzten Kurve einzuholen. Sie war Siebte der Welt gewesen. Jetzt ging sie und nannte es Training, weil es kein anderes Wort gab, das sie überleben konnte auszusprechen. Da fing der Unbeholfene an aufzutauchen. Er kam in den falschen Schuhen — flache Sohle, kein Halt — und lief wie ein Mann, der von den eigenen Armen verfolgt wird. Keine Uhr, kein Plan, keine Ahnung. Er lief vier Runden zu schnell und stand dann doppelt gekrümmt an der Weitsprunggrube, die Hände auf den Knien, sich erholend, als hätte man ihn angeschossen. Er sprach nie mit ihr. Sie sprach nie mit ihm. Zwei Wochen lang teilten sie die Bahn im Morgengrauen, wie zwei Menschen sich einen Aufzug teilen, und Nadia, die ein Profi darin gewesen war zu sehen, wie sich Körper bewegen, konnte nicht aufhören zu bemerken, dass er sich Tag für Tag in Zeitlupe

Connection lost

Reconnecting to the server…

Reconnect failed. Trying again in seconds.

We couldn't reconnect to the server. Retry, or reload the page.

The session was paused by the server.

The session couldn't be resumed. Please reload the page.