Chapter

Erstes Kapitel

Ums Jahr 1482 waren in der groben und wildwüchsigen Schweiz zwei Bäume so hoch über alles Gefilde gewachsen, daß man sie weitum im Ausland mit Respekt bemerkte und eifersüchtig von ihrem Schirm und Schatten zu profitieren suchte. Das eine Gewächs hieß eidgenössische Rauflust und Prügelfestigkeit. Diese Bauern von Unterwalden und diese Kleinbürger von Zürich und Luzern hatten einige flotte Notkriege ausgefochten und dabei mit fröhlichem Grausen erkannt, daß das Kriegen und Siegen gar nicht schwer, ja ihnen sozusagen angeboren sei, und balgten sich nun mit den Zeptern des halben Erdteils herum. Und wie sie sich daheim belustigten, einen Ballen Zwillich mit einem Arm im Rad um den Kopf zu schwingen oder an je einem Horn zwei widerspenstige Stiere in frommen Schritt und Gleichtakt zu zwingen, so warfen sie Burgunder, Schwaben und Österreicher gleich bündelweise über den Haufen, gar nicht zu reden von den zierlich gebauten welschen Menschen des Herzogs Lodovico Maria Sforza zu Mailand, deren ein stämmiger Entlebucher gleich ein ganzes Schock auf sich genommen hätte. Diese Fäuste und breiten Füße der Eidgenossen fingen an in Europa immer lauter Musik zu machen. Man konnte sie nicht mehr überhören. Und da alle Welt Kriegskonzert und jeder Fürst sein besonderes gab, so wollte auch jeder diese rohe und gefährliche Schweizermusik, statt gegen sich heranlärmen zu lassen, schleunigst ins

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