I.
An einem trüben Herbsttage Morgens acht Uhr fünf Minuten ward in Braunschweig der Schnellzug expedirt. Das erste Zeichen zur Abfahrt war bereits gegeben und der größte Theil der Reisenden hatte die Wagen bestiegen. Da erschien auf dem Perron ein alter Herr in einem kostbaren Pelze, dem ein Bediente in amaranthfarbner Livree voranging. Herr und Diener hatten graue Haare, sie schienen in einem Alter zu stehen und unterschieden sich nur durch die Kleidung und durch die Körperconstitution. Der Herr war klein und dick, der Diener lang und hager. „Erste Wagenklasse!“ rief der Diener dem Schaffner zu. „Hier!“ Der Schaffner öffnete ein Coupé. Mit Hülfe seines Dieners stieg der Herr im Pelze ein, und warf sich behaglich in die gepolsterte Ecke. „Meine Cigarren, Lorenz!“ „Hier, Herr Senator!“ Lorenz überreichte seinem Herrn ein Etui, dem die Reichhaltigkeit des Inhalts anzusehen war. Während der Senator sich eine Cigarre anzündete, präsentirte Lorenz dem Schaffner das Billet. „Lorenz!“ ertönte der Baß des Reisenden. „Auf der nächsten Station, wo länger als fünf Minuten angehalten wird, bringst Du mir ein Glas Madeira!“ „Sehr wohl, Herr Senator!“ „Jetzt nimm Deinen Platz ein, und hüte Dich vor Erkältung!“ „Zu dienen, Herr Senator!“ Lorenz entfernte sich. In dem Augenblicke, als der Schaffner die Thür des Coupé’s schließen wollte, erschien eine Frau, die hastig fragte: „Erste Klasse?“