Aus den Memoiren eines österreichischen Polizeibeamten
In der Residenz war ein ebenso großer als frecher Diebstahl verübt worden. Aus dem Schlafgemache des Bankiers H. waren Juwelen, eine kostbare, mit Brillanten besetzte Uhr, das Miniaturbild seiner Frau, in Brillanten gefaßt, und eine bedeutende Summe in barem Gelde, im ganzen Gegenstände im Werte von mehr als hundertfünfzigtausend Gulden, entwendet worden. Der Bankier kam selbst zu dem Polizeidirektor, um den Diebstahl anzuzeigen, bat aber zugleich um ein möglichst rücksichtsvolles und schonendes Vorgehen bei der Untersuchung, da er selbst nicht einmal den geringsten Anhaltspunkt eines Verdachtes zu haben behauptete und niemand Unschuldigen angeklagt sehen wollte. »Nennen Sie mir vor allem die Personen, welche regelmäßig Ihr Schlafgemach betreten«, begann der Polizeidirektor. »Außer mir nur meine Gemahlin, meine Kinder und mein Kammerdiener Joseph, ein Mensch, der seit fünfzehn Jahren in meinem Hause ist und für den ich die Hand in das Feuer lege wie für mich selbst.« »Sie halten denselben also für absolut unfähig, eine solche Tat zu begehen?« »Gewiß«, erwiderte der Bankier. »Gut«, sagte der Polizeidirektor, »können Sie sich also erinnern, daß an dem Tage, wo Sie die gestohlenen Gegenstände zuerst vermißt haben, oder an den vorhergehenden Tagen jemand, der nicht zu Ihrem Hause gehört, ausnahmsweise Ihr Schlafgemach betreten hat?« Der Bankier schien einen Augenblick nachzudenken,