Chapter

Vorwort

Es war im Frühling. Die Erde war wieder daran, sich zu erneuern, und streckte tausend Arme der Sonne entgegen, ließ sich durchsonnen, durchleuchten, durchwärmen. Und fing an zu blühen. Es war wie immer. So natürlich und so wunderbar wie immer. Tief unten im Keller standen die Blumentöpfe, die man über den Winter dahin geflüchtet hatte. »Nun ist es Zeit, nun holt sie herauf und tragt sie in die Sonne,« sagte der, dem sie gehörten. Und als man sie besah, da hatten sie im Dunkeln dennoch getrieben. Unkräftige, farblose Schossen, aber alle in die Höh', in die Höh', dem bißchen Licht nach, das durch einen Spalt zu ihnen herunterkam. Das fühlten sie, daß irgendwo mehr sei, und sie wollten auch davon haben. Sonne wollten sie haben, Licht, Wärme, Kraft. »Gebt uns einen Platz an der Sonne,« sagten die ausgestreckten Pflanzenarme. Und den bekamen sie nun auch. Denn es ist dort viel Platz; mag leicht sein, daß jedem sein bescheidenes Teil davon wurde. Und nun konnten sie ja vollere Triebe entfalten. Sie wollten alle auch einen Platz an der Sonne haben, die Leute, die in diesen Blättern versammelt sind. Es gibt so mancherlei Schatten und soviel Sonnenhunger auf der Welt, bewußten und unbewußten. Davon ist in diesem Buch geredet. Und auch davon, daß sich die nicht täuschen, die, wie die Pflanzen im Keller, verlangende Triebe nach dem Licht hinsenden und ahnen, daß mehr da sei, als sie nun

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