Erstes Buch: Erstes Kapitel
Erstes Kapitel. Unter der weiten Halle des Zentralbahnhofs der rheinischen Garten- und Künstlerstadt schritt in früher Spätsommermorgenstunde ein junges Paar den Bahnsteig auf und ab. Reisefreude leuchtete in den Augen des Mannes — doch er dämpfte sie um der Abschiedswehmut willen, die durch des Mädchens Worte zitterte und immer wieder von Zeit zu Zeit in raschen Perlen aus den hellen Augen auf das Spitzengewoge des lichten Sommergewandes niedertropfte. Zwei schlanke Gestalten, so recht für einander gewachsen! Sie im Glanz ihres Sommerschmucks, in der zierlichen Grazie ihrer zwanzig Jahre das gehütete, gepflegte Kind einer von den Schranken der Satzung umhegten Welt. Er — nun ja, er... Die Uniform stammte aus dem ersten Schneideratelier, die Lackschuhe blitzten. Die Mütze, keck auf das rechte Ohr gesetzt, war neuesten Modells, die Haltung soldatisch straff. Und dennoch: selbst ein nicht gerade militärisch geschultes Auge erkannte von weitem schon, daß der Träger dieser blinkenden Herrlichkeiten doch — kein so ganz richtiger Leutnant war. Es war nicht das helle Kolorit der Gesichtsfarbe allein — denn zu Anfang August weisen die berufsmäßigen Träger der Leutnantsuniform allesamt schon ein tiefes Braun auf — es war nicht allein eine gewisse Gezwungenheit der Haltung, die verriet, daß diese elegante Gestalt des Uniformtragens seit längerm entwöhnt sein mußte. Es waren nicht allein