Erster Teil
Kaiserliches Volk hielt Schloß und Stadt besetzt. Die Wichtigkeit des Platzes war bedeutender, als seine Haltbarkeit; doch tapfere Leute fragen bekanntlich nichts nach Wall und Schanze. Ihr Mut ist ihnen das stärkste Bollwerk und ihre falkenaugige Wachsamkeit schirmt sie sicherer vor unvermutetem Überfall, als der tiefste Graben. Keiner wußte das besser, als Ludwig von Baden, des Kaisers Feldherr. Darum hatte er getrosten Mutes die Obhut der Veste seinem Lieben und Getreuen, dem Oberstwachtmeister Wernher übertragen. Wie der Feldherr auf den Oberstwachtmeister, konnte sich der auf seine Offiziere, Unteroffiziere und Gemeine verlassen. Die Leute waren samt und sonders im Feuer gehärtet; der Tod, Teufel, Türk' und Franzos, hätten alle vier auf einmal im freien Feld über sie kommen mögen, und sie dennoch nicht geschreckt. Dunkel war's und still. Längst schon hatte der Zapfenstreich den Soldaten in seine Kammer gebannt, wie das Bürgerglöcklein die Angehörigen der Stadt zur Ruhe gewiesen. Kein Laut war zu vernehmen, als von Zeit zu Zeit das Rufen der Schildwache, die einander vorschriftsmäßig zur Wachsamkeit ermahnten und Antwort gaben. Vom Kirchturm dröhnten elf Schläge. Der Posten vor der Hauptwache schrie sein »Abgelöst!« Die Mannschaft trat unter das Gewehr, der junge Fähnrich erhob sich von der Pritsche und entsandte die Gefreiten mit ihren Leuten, alles wie im Krieg und im