Chapter

Siebentes Kapitel: Jungens- und Mädchenliebe

Paul war während des Herbstes häufig nach dem Willeyhofe hinaufgegangen. Mit den beiden jüngeren Söhnen hatte er sich angefreundet. Edgar, der älteste, konnte sich zunächst nicht so weit herablassen. Und ebenso verweigerte Miriam jede Annäherung. Sie fürchtete sich davor, von ihm als Null angesehen zu werden, wie von ihren eigenen Brüdern. Das Mädchen war schwärmerisch veranlagt in ihrer Seele. Überall gab es Scottsche Heldinnen, die von Männern mit Helmen oder mit Federn auf den Mützen geliebt wurden. Sie selbst war in ihrer Einbildung so eine Art in eine Schweinehirtin verwandelte Prinzessin. Und sie fürchtete sich davor, daß dieser Junge, der immerhin etwas von einem Scottschen Helden an sich hatte, der malen und Französisch sprechen konnte, der wußte, was Algebra bedeutete und alle Tage mit dem Zuge nach Nottingham fuhr, sie einfach nur für das Schweinemädchen halten möchte und nicht imstande wäre, die Prinzessin darunter zu erkennen. Daher hielt sie sich abseits. Ihre große Gefährtin war ihre Mutter. Sie waren beide blauäugig und allem Geheimnisvollen zugetan, Frauen, die Frömmigkeit in sich aufspeichern, sie mit jedem Atemzug einsaugen und das ganze Leben durch ihren Schleier wahrnehmen. So waren für Miriam Christus und Gott eine große Persönlichkeit, die sie zitternd und leidenschaftlich liebte, wenn ein gewaltiger Sonnenuntergang am Westhimmel flammte, und als Edith und

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