Vorwort an den Leser
Es ist eine sonderbare Geschichte, die dem geneigten Leser erzählt werden soll; sie ist von einem Manne geschrieben, der außer dieser Geschichte nie etwas geschrieben hat. Es ist ein Abschnitt seines Lebens, oder vielmehr sein ganzes Leben. Das leben des Menschen ist nicht nach der Anzahl der von ihm durch lebten Jahre zu messen, sondern nach den Minuten, in denen sein Herz geschlagen hat. Mancher Greis, der im Alter von achtzig Jahren stirbt, hat in der Wirklichkeit nur ein Jahr, einen Monat, einen Tag gelebt. Leben ist glücklich sein oder leiden. Man lasse vor einem sterbenden alle durchlebten Tage vorüberziehen, er wird nur die anerkennen, die ihm mit lächelnden Munde oder thränenfeuchten Augen erscheinen. Die übri-.... Solche Tage hat er verlebt, aber nicht gelebt. Am längsten gelebt hat der Mensch, der am meisten erfahren und empfunden hat. * * * Ich hatte einen Freund. Es ist bekannt wie weit man den Namen Freund auszudehnen pflegt. In unserer conventionellen Sprache bedeutet ein Freund nicht immer einen Genossen, einen Cameraden, ein Freund heißt oft nichts als ein Bekannter. Für uns soll dieses Wort weder einen Genossen noch einen Cameraden, sondern einen angenehmen lieben Bekannten bedeuten. Wir werden ihn nur mit dem Namen Max bezeichnen, die weibliche Hauptperson aber Edmée nennen. Ich hatte Max auf einer Jagdpartie im Park von