Chapter

Der ermordete Hausierer

Der Kraftfahrer Melde war früh von Frankfurt am Main abgefahren und hatte Magdeburg erreicht, als es Mitternacht schlug. Sein schwerer Lastwagen trug Stückgut, der Anhänger war hochbepackt mit Tabakballen aus der Wetterau für eine Berliner Zigarrenfabrik. Er und sein Mitfahrer waren sichtlich müde, die vielen Zwischenstationen, wo ein- und ausgeladen werden mußte, hatten es in sich. Darum hielt er am Hauptbahnhof an, um einen Kaffee zu trinken und etwas zu essen. Der Mitfahrer war einverstanden. Die Arbeit war schwer, aber der Verdienst gut, da brauchte man sich nichts abgeben zu lassen, der Körper verlangte kräftige und reichliche Nahrung. Sie konnten ohne Bedenken eine Stunde ruhen und kamen doch noch zeitig genug nach Berlin. Die Bahnhofswirtschaft war ziemlich besetzt. Reisende kamen und gingen, aßen und tranken. Auf den Bänken schliefen ganze Familien bei ihrem Gepäck. Eisenbahnleute traten an den Ausschank, hoben einen, um wieder zum Dienst zu eilen. Überall Bewegung und Leben. Da war auch ein bunt gekleideter Ausländer mit blauen Kniehosen, langen Stiefeln und einer kurzen gestickten Jacke, unter der ein weißes bauschiges Hemd hervorquoll. Er trug einen Kasten mit allerlei ausländischem Gerät zum Verkauf an einem breiten ledernen Riemen um den Hals. Stoffe, farbige Tücher und Stickereien hingen ihm über dem linken Arm. Er ging von Tisch zu Tisch, seine Waren anzubieten.

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