Sklave des Lebens
Wie ein Prinz in der Wiege« – so sagt man ja –, »unsichtbare Feen ringsherum und der Kindheit unschuldsvollen Frieden über sich!« Welche Fee an Nikolais Wiege stand, ließ sich schlecht sagen. Da draußen beim Klempner, in dem Häuschen mit den zersprungenen, verstopften Scheiben am äußersten Rande der Stadt, gab's mancherlei Einquartierung und Eindrücke – meistens zu nächtlicher Stunde, wenn allerlei Volk und Gesindel, um ein Obdach verlegen, auf der Landstraße stand. Da ging es hoch her mit Zechen und Saufen, manch liebes Mal! Und öfter als einmal geschah es, daß die Wiege bei einer Prügelei umstürzte oder ein Betrunkener längelangs über sie hinfiel. Nikolais Mutter hieß Barbro und stammte aus den Heimdalsbergen, aus irgendeinem Neste, weit da droben – ein rechtes Gebirgsmädchen von echtem Schrot und Korn, rot und weiß, groß, kräftig und breitschultrig, strotzend vor Gesundheit und mit Zähnen wie der Schaum im Melkeimer. Sie hatte durch die Viehhändler, die übers Gebirge kamen, so viel von der Stadt gehört, daß etwas wie Sehnsucht und Unruhe sie gepackt hatte. Und so war sie zur Stadt gegangen, um Dienste zu nehmen. Dorthin paßte sie just so gut wie ein windschiefer Heuschober in eine elegante Stadtstraße oder wie eine Kuh auf eine Treppe – will sagen: ganz und gar nicht. Und dann ging es ihr so, daß sie ihre ganze Zeit auf dem Markte bei den Heufuhren verstand. Sie mußte das