Skizzen aus Ungarn
Wenn man den ungarischen Bauer über sein Vaterland befragt, antwortet er nicht selten: „Ach, Ungarn ist viel zu groß, das läßt sich nicht beschreiben!“ – Er kennt kein anderes Land über die Marken seiner Heimath, oft nicht über die seines Comitats hinaus – er will kein anderes kennen – und er hat so Unrecht nicht – denn Ungarn ist. ein schöner, glücklicher, gesegneter Erdstrich, er ist in Wahrheit die Kornkammer Oesterreichs, und von einem Volke bewohnt, das, stolz auf seine kampfreiche Geschichte, kriegslustig und in ungeschwächter Jugendkraft, durch die Jahrhunderte braust. Es sind noch dieselben Centauren, Roß und Mann eins, welche unter dem gefürchteten Namen der Hunnen, gleich Wetterschlägen, ganz Deutschland durchdrangen; dieselbe südasiatische Glut wohnt noch im Magyaren von heute, den aber die Civilisation, die allerdings eines Zeitraums von siebenzig Decennien bedurfte, auch zum guten Bürger, zum arbeitsamen Landmann bildete. Der Csikós. Die Hirten Ungarns, diese ächten Natursöhne, diese Muster einer unverfälschten Race, sind der eigentliche Typus des ungarischen Volkes. Ein schöner, kräftiger Menschenschlag, scheinen sie gefeit gegen jede Krankheit; die Urkraft, die in ihnen wohnt, trotzt der sengenden Glut der Sonnenstrahlen, wie den eisigen Herbstnebeln der Pußta, – dafür schauen sie aber auch das erste Morgenroth, und ihnen leuchten Mond und Sterne wohl am