Sieben Skizzen aus unserem Kirchspiel
Wie viel ist nicht in dem einzigen kleinen Wörtchen »Kirchspiel« enthalten? Wie viele Geschichten von Kummer und Elend, von vernichtetem Glück und zu Grabe getragenen Hoffnungen, nicht selten aber auch von eisenstirniger Schuftigkeit und triumphirender Büberei knüpfen sich an dasselbe. Da ist ein armer Mann mit großer Familie, der nur geringen Verdienst hat, welcher gerade hinreicht, um von der Hand in den Mund, das heißt, von einem Tage zum andern zu leben; er kann nur so viel erwerben, um die Bedürfnisse des Augenblicks zu befriedigen, ohne im Stande zu sein, etwas für die Zukunft zurückzulegen; seine Steuern kommen in Rückstand; das erste Quartal geht vorüber; ein anderes kommt heran, er hat selbst nichts mehr zu leben – nun wird er vor das Kirchspiel berufen. Seine Habseligkelten werden verkauft, seine Kinder jammern vor Kälte und Hunger, und das einzige Bett, auf dem sein krankes Weib darnieder liegt, wird unter ihr weggenommen. – Was kann er thun? An wen kann er sich um Hilfe wenden? Darf er die Unterstützung der Privaten angehen? sich an einzelne wohlthätige Personen wenden? Gewiß nicht, dafür ist sein Kirchspiel da. Da ist die Kirchspiels-Verwaltung, das Kirchspiels-Spital, der Arzt, die Beamten und der Diener des Kirchspiels. Vortreffliche Einrichtungen und edle liebreiche Menschen. Das Weib stirbt – sie wird auf Kosten des Kirchspiels beerdigt. Die Kinder haben keinen