Einleitung
Am Fuss der sibyllinischen Berge, im einsamsten Winkel der Abruzzen, brach am Vorabend einer Tour auf den Monte Priore ein Regenwetter so sündig grau und frostig und unermüdlich los, dass mein Begleiter und ich mehrere Tage in einem kirchen– und wirtshauslosen Nest zwischen den vier dunkeln, vom offenen Feuerherd durchrauchten Wänden eines Ziegenbauern zubringen und uns die Zeit mit den wilden Sagen der dutzendköpfigen Gemeinde, die hier zusammenhockte, und mit ihrem ebenso wilden Wein vertreiben mussten. Diese alten Berichte, halb Geschichte halb Legende glichen dem Rauch der düstern Stube oder dem Nebel vor den Fenstergitterchen in Farbe und wirrem Geknäuel. Sie schlichen auch so schwer und gespenstisch an den festen Wänden der Vergangenheit zur Diele empor, verdichteten sich oben zu unheimlichen Fratzen oder Drohfiguren und lösten sich nur langsam und gleichsam gegen ihre böse Seele am Ende in leichten blauen Dunst auf. In diesen Berglegenden spielte das gesetzlose, verwilderte Element, sei es im Wasser oder Feuer oder Tier oder Menschen, die vorderste Rolle. Tote gingen um und bellten wie Wölfe, der Teufel kam in Blitz und Sonnenschein, der Himmel redete, die Gipfel des Gebirgs rauchten wie der Sinai, und bald unterirdisch, bald überweltlich erscholl Musik, wozu ein Erdbeben die Trommel oder ein dauerhafter Donner die Pauke schlug. Aber noch lieber ward von den Briganten