Erstes Kapitel
In Drontheim auf der hohen Burg saßen viel Nordlands-Ritter versammelt, und hatten Rath gehalten über des Reiches Wohl, und zechten nun bis in die Mitternacht hinein fröhlich mit einander, in dem hallenden, gewölbten Saale, um den runden, riesenhaften Steintisch her. Der erwachende Sturm trieb so eben ein wildes Schneegestöber gegen die klirrenden Fenster, alle Thüren in ihren eichenen Fugen bebten, die schweren Schlösser rasselten ungestüm, die Schloßuhr schlug nach vielrädrigem, langsam knarrendem Getöse Eins. Da flog in die Halle herein mit sträubenden Locken, mit ängstlichem Geschrey und geschlossenen Augen, ein todtbleicher Knabe. Der stellte sich hinter den geschmückten Sessel des großmächtigen Ritters Biörn, umklammerte den glänzenden Helden mit beyden Händen, und schrie mit durchdringender Stimme: »Ritter und Vater! Vater und Ritter! Der Tod und noch einer sind abermahls entsetzlich hinter mir drein! — « Eine furchtbare Stille lag eisig über der ganzen Versammlung; nur daß der Knabe fort und fort die entsetzlichen Worte schrie. Aber ein alter Reisiger aus Ritter Biörns zahlreichem Gefolge, der fromme Rolf geheißen, schritt gegen das jammernde Kind heran, faßte es in seine Arme, und bethete halbsingend »Hilf, Vater mein, Dem Knechte Dein! Ich glaube, und kann nicht glauben.« Sogleich ließ der Knabe von dem großen Ritter Biörn wie träumend los, und der fromme Rolf trug