Chapter

Simplizitas

Einleitung. Nacht war's im Wald ... er stöhnt im Sturmeswehn; Könnt ihr das Feuer wohl darinnen sehn? Gespenstisch kämpft es mit der dunklen Nacht Und sinkt und stirbt und hebt sich neuerwacht. Alt ist das Weib, das dort am Feuer haust, Wild hat die Zeit an ihr herumgezaust Und jedes Jahr an dem die Alte trug, Das lag auf ihrem Haupte wie ein Fluch. Kennt ihr sie nicht? es kennt sie jedes Kind; Schnell schlägt's ein Kreuz und läuft davon geschwind, Doch ist's erst sicher vor der Alten Wuth, Dann schreit es: Hexe! Schlange! Teufelsbrut! Wild ohne Kraft, des Kindes Spiel und Spott, Alt ohne Hoffnung, ohne Trost und Gott. So steht sie da, noch düstrer als die Nacht Und zornig, wie die Gluth, die sie entfacht. Doch neben ihr, gleich einem Sonnenstrahl, Ein Mädchen. – Kind und Jungfrau allzumal; Die Wange rund – ein lächelnd Augenpaar. Jetzt halb versteckt vom goldig blonden Haar, Der Mund, als kämen nur die frömmsten Worte, Den Engeln gleich aus dieser Himmelspforte. So lag sie da, als wär' sie aus der Welt; Noch mehr, als wär' die Welt für sie bestellt. Der Mutter Dräuen störte sie nicht mehr, Als, wenn die Hummel honigschwer, Die Blume streift, daß sie darüber nickt Und hebt ihr Haupt zufrieden ungeknickt. Eng zieht die Alte jetzt das Kind heran, Scheu blickt es auf; doch hart läßt sie es an: »Wir zwei sind eins, du bist mein Kind, mein Blut, Bist meines Hasses Schatz und

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