Die Koordinate
Florian erzählte niemandem davon. Nicht seinen Kollegen, nicht seiner Schwester, nicht dem Direktor des Instituts. Er wusste, was passieren würde, wenn er es meldete — Sicherheitsbehörden, Militär, Pressekonferenzen, ein Zirkus aus Angst und Sensationslust, der die Stille der Nachricht verschlucken würde wie ein schwarzes Loch das Licht. Also fuhr er allein, am Donnerstagabend, mit seinem alten Passat über die Landstraßen der Eifel, bis das Navigationsgerät ihm sagte, er sei angekommen.
Der Punkt lag auf einer Wiese, die nichts Besonderes hatte — Gras, ein paar Bäume, der Himmel darüber klar und voller Sterne. Florian stieg aus und wartete. Mitternacht kam und ging, und nichts geschah. Er stand auf der Wiese, fror in der Nachtkälte und fragte sich, ob er den größten Fehler seines Lebens beging.
Dann veränderte sich der Himmel. Die Sterne über der Wiese begannen sich zu bewegen, langsam zuerst, dann schneller, bis sie keine einzelnen Punkte mehr waren, sondern Linien, Bahnen, ein Muster, das sich über den gesamten Himmel erstreckte und das Florian mit einem Schlag erkannte — es war die Struktur des Signals, die mathematische Sequenz, projiziert auf die Nacht, und in ihrer Mitte öffnete sich etwas, das kein Loch war und kein Tor, sondern eine Einladung, geschrieben in Sternen.