Die schöne Unbekannte
Die helle Sonne Siciliens glänzte von dem Frühlingshimmel herunter über Land und See. Lustig flatterten im Morgenwinde die farbigen Wimpel der im Hafen von Messina vor Anker liegenden Schiffe. Frohe, singende Scharen zogen die Marina entlang den Bergen zu. Man zählte damals das Jahr 1847, und aus allen Gauen des sicilischen Eilandes kamen dem neapolitanischen Gouverneur in Messina beunruhigende Nachrichten zu von der immer unheimlicher drohenden Gährung im Volke, von dem immer weiter um sich greifenden Wiedererwachen des Brigantenthums, von dem immer enger sich zusammenschließenden Bunde aller Unzufriedenen zum gemeinsamen, gewaltthätigen Handeln. Nichts aber zeugte an diesem fröhlich lachenden Februarmorgen von den drückenden Besorgnissen, welche die einen, von den dumpfen Hoffnungen, welche die andern erfüllten, – nichts als etwa die von den Mauern der seeumflossenen Citadelle nach der Stadt hin gähnenden Kanonen, oder das Glitzern von den Gewehren der bis zu den äußersten Vorwerken hin- und herwandelnden Schildwachen der Schweizergarde. Am Fuße der zu den Offizierswohnungen führenden Treppe stampfte, ungeduldig ob des langen Wartens, ein von einem berittenen Diener gehaltenes Roß. Zwei Offiziere erschienen unter der Thür. „Also auf Wiedersehen heute abend!“ sagte der Major von Büren, indem er seinem jüngeren, durch enge Freundschaft mit ihm verbundenen Kameraden die Hand