Der Landstreicher
Mein Zeltgenosse war verreist; ich mußte daher allein in meiner Jurte nächtigen. Arbeiten wollte ich nicht, und auf meinem Bette liegend, im Halbdunkel, da ich kein Feuer anzünden wollte, überließ ich mich, ohne es selbst zu wollen, den schweren Empfindungen, welche die Stille und das Dunkel gewöhnlich erwecken, während der kurze Tag des Nordens ganz im kalten, sich hebenden Nebel versank. Die letzten schwachen Strahlen der Sonne schwanden durch die vereisten Fenster aus dem Zimmer; ein tiefes Dunkel schien aus den Winkeln hervorzuschleichen und umhüllte die schrägen Wände, die über meinem Kopfe immer mehr zusammenzutreten schienen. Kurze Zeit sah ich noch die Umrisse des in der Mitte der Jurte stehenden mächtigen Ofens, doch auch dieser plumpe Penat jakutischen Wohnsitzes begann der einbrechenden Finsternis seine Arme entgegenzustrecken, und bald verschwand auch er meinen Blicken ... Finsternis umgab mich. Nur an drei Stellen glänzte es noch etwas heller in schwachem, phosphoreszierendem Glanze – dort, wo der jakutische Frost durch die ganz vereisten Fenster ins Zimmer schaute. Minuten, Stunden vergingen unbemerkt, und ich achtete kaum, wie das verhängnisvolle Gefühl der Trauer und der Sehnsucht mich überkam, wie »die Fremde« feindlich mich anwehte mit ihrer Kälte und Unfreundlichkeit; wie in meiner erregten Vorstellung jene unermesslichen, weiten Strecken – Berge, Wälder,