Chapter

Selbstgerecht

Sie ließ die Stickerei, an der sie während der letzten halben Stunde eifrig gearbeitet hatte, in den Schoß sinken und seufzte tief, um alsbald in ein leises fröhliches Lachen auszubrechen. Gott, Käthe, was bist du dumm! sagte sie vor sich hin. Natürlich hat er auf Rügen zu thun, wenn wir uns auch am letzten Abend ein bißchen gezankt haben. Als ob du nur einen Augenblick daran zweifeln könntest, daß er – Sie vollendete den Satz nicht; griff, wieder ganz ernsthaft geworden, nach dem Buch neben dem Nähkorb, in welchen sie die Stickerei gelegt; begann zu lesen; klappte nach kurzer Zeit, als sie bemerkte, daß sie von dem, was sie las, keine Ahnung hatte, das Buch zu und murmelte, diesmal ganz ärgerlich: Du bist wirklich zu dumm. Das Kinn in die linke Hand gestützt, blieb sie noch ein Weilchen nachdenklich sitzen; blickte zum Himmel auf, an dem nach Osten ein paar rote Abendwolken standen; legte das Buch zu der Stickerei in das Körbchen; erhob sich und trat aus der Laube in den langen breiten Gang, der durch den Garten nach dem Hause führte. Auf dem halben Wege kam ihr Male entgegen. Ich wollte man fragen, Fräulein, wann der Herr nach Hause kommt. Ich weiß es nicht; er sagte, es würde ziemlich spät werden. Sollen wir denn warten? Ist Herr Brunnow zu Hause? Er ist zu Förster Lübbenow. Das ist auch ein ganzes Ende. Dann warten wir jedenfalls. Ich habe so wie so keinen Hunger. Da, Male,

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