Chapter

Erstes Kapitel

Ein wildbewegter, wolkenzerrissener Himmel, schwarzblau im Westen, ein braunes, steiniges, mit Seetang bedecktes Ufer und brechende Wogen, alles von einer gewaltigen Bergkette umrahmt – das war die Scenerie, deren Mittelpunkt Hulda bildete. Sie stand auf einem Vorsprung, beschattete ihre Augen mit der Hand und sah aufs Meer hinaus. Sie war ein schönes, großes, schlankes Mädchen von vielleicht neunzehn Jahren vom reinsten skandinavischen Typus. Der Wind wehte ihr das blonde Haar ins Gesicht und preßte ihr das Gewand an die Glieder, während die Möwen kreischend über ihren Kopf hinwegflogen. Sie hatte eine gesunde, von der frischen Luft gerötete Gesichtsfarbe, und in dem wetterkundigen Blick, mit dem sie den Horizont prüfte, lag etwas sehr Sachverständiges. »Es sieht bedenklich aus,« sagte sie zu ihrer jüngeren Schwester, die auf einem kleinen Steinhaufen zu ihren Füßen saß. »Siehst du den dunklen Strich dort am Horizont? Nein, nicht da. Nordnordwest! Das ist das Dampfschiff. Er kommt!« Sie sprang von dem Vorsprung herab, faßte ihre Schwester, die inzwischen aufgestanden war, um die Taille und fing, eine Melodie trällernd, zu tanzen an. »Aber, Hulda, versuche doch, dich etwas mehr ladylike zu benehmen,« bat Magda, »wie wird er dich wohl jemals leiden können, wenn du dich so beträgst!« »Pah, daraus mache ich mir gar nichts,« rief Hulda und stellte sich trotzig hin, »wenn er mich

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