Kapitel 1
»Es ist ein Spion!« sagte der alte britische Gentleman vom Lande zu den beiden Misses. »... Ein deutscher Spion...« Jener deutsche Spion, von dem der Engländer jeden Morgen und jeden Abend in jedem Pennyblatt las, der überall im Inselreich war, wie Wind und Luft. Und ebenso unfaßbar und unsichtbar war wie diese. Der alte Herr vom Lande war förmlich erleichtert, daß der einmal körperliches Leben gewonnen hatte, in Gestalt dieses blonden jungen Teutonen, der hoch da oben auf steilen Kreideklippen saß und auf die Stadt Dover herniederschaute. Zwei Scoutboys in Khaki und Schlapphut hatten ihn zuerst entdeckt, sommersprossige halbwüchsige Späherknaben der Jugendwehr, die der General Baden-Powell angelsächsische Tugend lehrte: wie die Rothäute im Freien abkochen, jeden Tag ein gutes Werk tun und an den Küsten auslugen, ob die Deutschen noch nicht kämen... Da war endlich einer. Ein unverkennbarer Germane. Er zeichnete sich mit seinem Strohhut, seinem aufgedrehten Schnurrbart, seinem gebräunten jugendlichen Gesicht scharf von dem Blaßblau des halbbewölkten, winddurchbrausten Aprilhimmels ab. Unter seinem Grassitz schossen die weißen Felswände senkrecht ein paar hundert Fuß tief in den schneeigen Gischt der Brandung und die grauen Wogen des Kanals. Der junge Mann ließ schwindelfrei die Beine über dem Abgrund baumeln. Er beugte sich zuweilen vor, sann und machte dann geheimnisvolle