Sehnsucht
Nataly von Eschstruth: Sehnsucht. Roman. Widmung. Meinem innig geliebten Sohn Desider von Knobelsdorf-Brenkenhoff, zur Erinnerung an seine Flugzeit in Johannistal und seinen schweren Absturz zugeeignet von seiner Mutter. Krone des Lebens, Glück ohne Ruh, Liebe bist du! – Frühlingssehnsucht auf der Heide. – Weit hinten im Westen, hinter dem schmalen, violett gefärbten Waldstreifen, sank die Sonne wie ein blutroter Feuerball, dessen Flammengarben Himmel und Erde in ein Meer von Licht und Herrlichkeit tauchten. Das flache, nordische Land lag todesstill und einsam. Auf den Marschen weideten die Viehherden, Heidelerchen stiegen mit leisem Abendlied zu dem lichten Firmament empor, bis sie als kleine, dunkle Punkte in Purpur und goldigem Gelb verschwanden. Ganz fern von einem Bauernhof herüber bellte ein Hund, welchem der bissige Dobermann vom Gutshof bald zornmutige Antwort gab. – Dann war es wieder still, nur die letzten Bienen summten noch geschäftig an dem jungen Mädchen vorüber, welches unter dem knospenden Zweigen der wilden Rose und des Schlehdorn's am Grashang der Heide saß und mit tiefernstem Antlitz in das Abendgold starrte, welches immer roter und roter, wie ein heißes, süßes, zauberhaftes und unbegreifliches Rätsel fern in einer anderen Wunderwelt, erglühte. Ebba, die einzige Tochter des wortkargen Klaus Raßmussen, des hellblonden Riesen und seiner zarten, kränklichen