Schloß Aju
Es war am Morgen des 17. November, als ein kleiner Reitertrupp sich von dem Innern des Landes her den Felsenabhängen näherte, die das berühmte Ufer der Yalta vom Kap Aitodar bis zum Golf von Kaffa bilden. Nicht prangte jene kaiserliche Phantasie Orianda, welche das Genie Schinkels geträumt, jetzt in den warmen, duftigen Farbentönen eines orientalischen Frühlings; Livadia, Nikita und Alushta – die zauberhaften Felsenhöhen, welche das Nahen des Winters ihrer Orangendüfte und Rosenfelder entkleidet; – das in seiner Ruhe so durchsichtige Meer war kein Spiegel von Licht und Azur, der Himmel kein Gewölbe unendlicher Klarheit, unbeschreiblich duftiger Farben mehr! – Durch die Schluchten des Yaila-Gebirges, über die bleigraue Fläche des Meeres, durch den Wolkendom fegte der Sturmwind, Hagel und Regen, die bösen Vorboten des Winters, vor sich her peitschend; in wilden Bergen wälzte sich seit vierundzwanzig Stunden die See gegen das Felsenufer, an dessen Wänden sie zu weißem Gischt und Schaum emporbrandete. Wehe dem Schiffe, das in diesem Wetter nicht vom sicheren Hafen umschlossen und geschützt war, oder wenigstens die offene See zu halten vermochte. Die kleine Reitergruppe näherte sich rasch auf der Straße von Kirsuff her und hatte offenbar ihren Weg nach einem altertümlichen phantastischen Bau gerichtet, der sich auf der Höhe des Vorgebirges Ajuh-Dagh von den Wolken abzeichnete und