Chapter

Die Hallwyler

Es ist ein gar eigenes Thun, so um Mitternacht wachend auf seinem Lager zu liegen und in die stillschlafende Welt hinauszuhorchen. Zuerst vernimmt das Ohr nichts, als etwa das Ticken der Wanduhr oder das Rauschen des Brunnens draußen vor den Fenstern; aber allmälig wird es rings herum lebendig von unzähligen Stimmen, von deren Dasein wir zu einer andern Stunde keine Ahnung gewinnen könnten. Hart neben uns in der Wand bohrt ein unsichtbares Geschöpf sich seine Wohnung mit mannigfachen Winkeln und Gangwindungen; bisweilen hält es inne, vermutlich um auszuruhen von der Anstrengung, denn wenigstens verräth der veränderte Ton, daß ein neuer Arbeiter das Werk aufgenommen hat. Und nicht lange, so macht sich ein dritter, ein vierter bemerkbar, bis wir uns bald in der Nähe einer ganzen Armee unermüdlich thätiger Wesen wissen. Aber sein Bewenden hat es noch immer nicht damit; vielmehr erhebt sich nun ein Wehen und Flüstern vor den Fenstern, im Gemache und durch das ganze Haus, als sprächen tausend leise Zungen durch einander, um die verborgensten Gedanken unserer Seele in traumartigem Vorübergleiten aufzuwecken. Und das gelingt ihnen auch, diesen Stimmen; denn während das äußerliche Auge mit Nacht bedeckt wird und sich vergeblich anstrengt, zu den Wahrnehmungen des Ohres Gestalten und Körper zu finden, ist plötzlich das innerliche Auge erwacht, das mit einem Blicke lange Jahre der

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