Das lustige Hausle
Wohlgemuter und feiner war kein Mädchen im Dorfe anzuschauen als des Bäckers Zilge. Nach dem Landesbrauch änderte man ihren Taufnamen Cäcilie in Zilge, und das konnte wohl passen, denn man nennt hierzulande auch die Lilie Ilge, und des Bäckers Töchterlein war so weiß und fein wie eine Lilie. Man sah Zilge selten auf der Straße und nie im Feld. Sie saß jahraus jahrein beim Küfer auf der Winderhalde am Fenster und fertigte weiße Stickereien für Schweizer Fabriken, die ihre Gewerbthätigkeit immer tiefer in das Grenzland herein ausdehnen. Zilge war schon frühe verwaist. Ihr Vater war Bierbrauer und Bäcker im obern Dorf gewesen, aber als leidenschaftlicher Prozeßkrämer in Not und Armut gestorben, und Zilge kam in das Haus des ihr verwandten kinderlosen Küfers, wo sie als Kind des Hauses hätte leben können, wenn sie einen gewissen trotzigen Uebermut zu bannen vermocht hätte; sie aber blieb herrisch und verlangte von jedem Unterwürfigkeit, so daß sie am Ende von einer Verwandten der Küferin im Hause verdrängt wurde. Sie trug das gleichmütig, denn ihr Stolz war doch gewahrt. Der einzige Bruder Zilges war schon in der Fremde als Bäcker und Bierbrauer. Es gab eine Zeit, wo der Maurer-Seb viel beneidet wurde, daß die feine Zilge ihn vor allen auserwählt hatte. Das war aber schon lange, denn 14 Jahre waren es, seitdem die Liebesleute unverbrüchlich einander anhingen. Zilge war 17 und Seb