Schwammerl - Ein Schubert-Roman
Der lange und ernste Johann Michael Vogl hatte seinen Goetheschen Tag. Die linke Hand in der Hüfte, die rechte vorne in der Weste, das Kinn per Doppelfalte an die hohe Halskrawatte angesetzt, so daß die Vatermörder gequält zur Seite bogen, die Stirne hoch voran, das Kreuz eingezogen, die Beine storchenhaben. So schritt er von Steyr durch die Allee gegen Garsten, und obwohl er in klassischer Gemessenheit dahinwandelte, mußte der kleine Franz Schubert neben ihm seine kurzen, dicken Beine mit jenem Schmiß vor sich in die Welt hinauswerfen, mit dem etwa ein Schuljunge Knallkügelchen schleudert: bloß um auf gleicher Linie zu bleiben: eins, zwei! Es war einer jener Morgen, die nach langem und unbeirrbar schönem Spätsommerwetter plötzlich so eigenartig nachdenklich, kühl und vergraut dastehen, feucht und herbstregenverheißend, voll süßschauriger Scheidenswehmut. Die großen Kastanien in der Allee waren rostig und schillerten in den ersten Anlauffarben der Herbstbronze, und in den Linden saßen ganze Büschel hellgelben Laubes, scharf abgegrenzt von den feuchtgrün trauernden übrigen Ästen. Und wenn der nasse Windhauch auf die Kronen einflüsterte, so irrten stets einige erste, verängstete Sommerkinder herab, kringelnd, tanzend und von zartblonder Schönheit. »Da steckt der Herbst die ersten Totenkränze aus; der Sommer ist herum,« sagte stimmungsvoll der Heldensänger Vogl und blieb stehen,