Schummerstunde
Heuduft erfüllt das Dorf, und lebt der ganze Frühling noch mal wieder auf in diesem Duft, alles was da blühte auf den Wiesen. Die verlorenen krausen Halme überall – kam doch ein Fuder Heu hinter dem andern hereingeschwankt bei dem schönen Wetter, und auf dem holperigen Dorfpflaster geht immer viel verloren. Auch die unteren Zweige der Eichen um den Kirchhof, wo alles vorbei muß, haben ganze Kuhmäuler voll sich frech heruntergegrappscht, und sie spielen nun damit. Ist Freude im Dorfe; nach der Heuernte kann man doch schon freier atmen. Warm übergoldet sind noch immer die Felder oben am Rande der Heide, wo die Sonne gesunken ist; hell bleibt's noch lange, doch mild ist das Licht, schummrich, weich sind die Schatten, und aller Staub vom Tage hat sich gesetzt. Noch schmettert eine ferne Drossel, Mücken tanzen durch die klare Luft, versprengte Trupps, und einzelne Schwalben flitzen munter noch immer herum; den Kirchturm umflaggelt bereits emsig ein Fledermauspärchen. – Das Gegröhle der Jugend verstummt endlich auch. Freilich den lautesten Schlingel, Schimmel-Hüsers Wittkopp, den muß sich die Mutter mit Vaters Leibriemen auch heute wieder hereinholen. Auf den Klöhnbänken genießen die Alten bereits mit Leib und Seele die Schummerstunde, und das Jungvolk kommt nach und nach auch zum Vorschein, und zwar frisch gewaschen, nach dem Staub des Abladens. Und nun sitzt alles da und dehnt sich