Chapter

Erstes Kapitel

Vor der grünen Tanne ging es toll und lustig zu. Damit ist jedoch nicht etwa jene schlanke, steife Tochter des Nordens gemeint, die im Sommer ihr dunkelgrünes, rauhhaariges Haupt im Sonnenlicht badet und zur Winterzeit, feenhaft geschmückt, eine einzige Gastrolle in der Kinderstube gibt – ein reizendes Debüt, das selbst in der Erinnerung uralter Leute einen geheiligten Platz behauptet. Diese Tanne also war es nicht, wohl aber die stattliche Schenke in dem thüringischen Dorfe Ringelshausen, in deren Schild ein derber Tannenbaum prangte, der bereitwillig wandernde Handwerksburschen, vornehme Städter und müde Kärrner unter seinem Schatten beherbergte und der nur denen seine spitzen Nadeln zeigte, welche die kabbalistischen Kreidestriche auf des Wirtes schwarzer Tafel nicht gebührendermaߟen löschten. Es ging also toll und lustig zu und gab so vergnügte Gesichter, als ob, wie ein alter, fideler Bauer meinte, das ganze Leben für die Leutchen ein Tanz sei, zu welchem die lieben Engel im Himmel aufspielten. Was den Alten übrigens zu diesem Vergleich veranlassen mochte, das kann ich dem Leser so eigentlich nicht sagen. Die Musik war es nun einmal gewiߟ nicht, denn die tat ihr möglichstes zu beweisen, daߟ sie erdgeboren sei; besonders die Trompete entfaltete eine Energie, als gälte es, die geweissagten Posaunen am Jüngsten Tag zu unterstützen. Das schien indes den lustbeseelten

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