I. Kapitel. An Bord der »Montana«.
An Bord der »Montana«. Langsam und zögernd verhallte das Trompetensignal, das die Passagiere der »Montana« zum ersten gemeinschaftlichen Mahl gerufen. Man hatte am Nachmittag den Hamburger Hafen verlassen, und die elegante Bordgesellschaft versammelte sich nun im Speisesaal des modernsten aller deutschen Südamerikadampfer. Der Saal glich einer Blumenausstellung, zu der die Toiletten der Fahrgäste weiblichen Geschlechts den passenden Rahmen lieferten. Wie Sterne um die Sonne, so umstanden zahlreiche Passagiere den gegenwärtigen Mittelpunkt des Salons, den Obersteward, der wie ein Diplomat seines schwierigen Amtes der Platzverteilung waltete. Die meisten Wünsche seiner Pflegebefohlenen richteten sich auf einen Platz an der Kapitänstafel, dem gesellschaftlichen Mittelpunkt der Mahlzeiten. Höflich bog der »chef de salle« alle Einwendungen ab, tröstete besonders diejenigen, die sich benachteiligt glaubten und konnte endlich mit Selbstbewußtsein ein Abflauen des auf ihn einbrausenden Sturmes feststellen. Nur selten wurde die Beschwerdeinstanz, der Zahlmeister, gegen die Entscheidungen des Oberstewards in Anspruch genommen. Wo es doch der Fall war, wurde Oberzahlmeister Kern schnell mit den Protestierenden fertig. In einiger Entfernung vom Kapitänstisch, in einem Winkel, der von Palmenkübeln umgeben war, hatten eine Dame und zwei Herren Platz genommen. Sie waren beinahe die einzigen