Erstes Kapitel. Ein verstörtes Gemüt
»Eine neue Gesellschaft?« fragte Mrs. Despard. »O freilich!« sagte Lisbeth, »und natürlich ein bißchen Musik und dann ein kleines Abendessen und ein kleines Tänzchen, und was sonst noch alles dazu gehört –« und ungeduldig zog sie die Stirn kraus. Mrs. Despard sah sie mit einigem Mißbehagen an. »Sie sind wieder in einem von Ihren grilligen Augenblicken, Lisbeth,« sagte sie schroff. »Warum sollt' ich denn auch nicht?« gab Miß Crespigny zur Antwort, nicht im geringsten eingeschüchtert durch die Worte ihrer Anstandsdame, »Grillen und Schrullen sind doch Vorrechte der Menschheit. Ich möchte die meinen nicht missen, wenn ich könnte. Mir sind sie ganz recht, weil sie mein Privatbesitztum sind, und niemand anders auf sie Anspruch erheben kann.« »Ich möchte auch kaum meinen, daß jemand Verlangen darnach spüren könnte, sie für sich zu beanspruchen,« sagte Mrs. Despard trocken, wobei sie aber das Mädchen mit einem gewissen Grad von neugierigem Interesse ansah. Lisbeth Crespigny zuckte die Achseln, jene so seltsam ausdrucksfähigen Achseln, die eine Besonderheit von ihr bildeten. Ein »merkwürdiges Mädchen«, so nannten sie sogar Leute, die sich in ihren Anschauungen der größten Milde befleißigten – und was ihre Widersacher anbetrifft: nun, was redeten die nicht von ihr? Und ihre Widersacher befanden sich nicht in der Minorität. Aber »merkwürdig« war nicht eine Bezeichnung, deren Anwendung