1. Der Kardinal Montalto
Ein strahlender Apriltag des Jahres 1582 tauchte Rom in Licht und Farben. Eine bunte, lärmende Volksmenge wirbelte durch die engen, winkligen Gassen und staute sich schreiend an den Häuserwänden und den Buden der Kaufleute, wenn die Karosse eines vornehmen Fremden, in ihren Ledergehängen wippend, über das holperige Pflaster rumpelte, ein Reiterzug mit funkensprühenden Hufen das Gewimmel der Fußgänger durchschnitt oder ein hochräderiger, grell bemalter Campagnakarren, von buntscheckig ausstaffierten Pferden oder Maultieren gezogen, mit Bausteinen oder Weinfässern beladen, vorüberrasselte. Ganz arg ward es vollends, wenn zwei Wagen sich begegneten und die Lenker sich brüllend und peitschenknallend auszuweichen suchten. In seinem bescheidenen Wagen fuhr auch der Kardinal Montalto, Felice Peretti, von seinem Hausmeister Sangalletto begleitet, durch dies bunte Gewimmel nach dem Esquilin, um den Stand der Arbeiten an seiner neuen Villa zu besichtigen, die er bald zu beziehen hoffte. Das Volk erkannte ihn und machte dem Gefährt ehrerbietig Platz, denn er war in Rom wohlbekannt, und wenn man ihn auch nicht liebte, fand man es doch löblich, daß er im Purpur der Kirche das fromme Leben eines Franziskaners fortsetzte. Mönchische Strenge sprach aus seinem Antlitz mit den breiten Backenknochen, den vorgewölbten Augenbögen, unter denen ein Paar scharfe Augen blitzten, der kräftig gebildeten