Chapter

Nollagrund

Schon seit bald zwanzig Jahren stand das alte Schloss still und verlassen dort auf der Höhe. Kein Ton war weithin zu hören, als das Zwitschern der Vögel und das Rauschen der alten Föhren rings um das Schloss. Um die runden Ecktürme schwirrten am hellen Sommerabend die Schwalben wie ehemals; aber von den Turmbalkonen schauten keine fröhlichen Augen mehr auf die grünen Wiesen und auf die reichbeladenen Apfelbäume im Talgrund nieder. Zwei lustige Augen aber schauten eben jetzt aus dem Wiesengrund zu dem alten Schloss auf und forschten und spähten, als könnten sie hinter den festverschlossenen Fensterladen etwas ganz Besonderes entdecken. »Mea«, rief der Späher plötzlich in aufgeregtem Ton, »jetzt, jetzt, komm schnell, nun geht’s auf.« Mea, die auf der Bank unter dem grossen Apfelbaum sass, ein Buch in der Hand haltend, legte dieses hin und kam herbeigerannt. »Sieh, sieh, nun bewegt es sich«, fuhr der Bruder immer erregter fort, »es ist ein Arm in einem schwarzen Rock, nun stösst er gleich den ganzen Laden auf.« In diesem Augenblick erhob sich der schwarze Gegenstand und schwang sich zum Turm empor. »Ein Vogel war’s, ein grosser, schwarzer Vogel«, sagte Mea enttäuscht. »Nun hast du mich gewiss schon zwanzigmal gerufen, ich solle sehen, wie die Laden sich öffnen, und nie gehen sie auf. Ich komme nicht mehr, du kannst rufen, soviel du willst.« »Sie gehen doch einmal auf, ich weiss

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