Chapter

Kapitel 1

Es war in den ersten Märztagen des Jahres 1720. Schwere Wolken zogen, von Süden kommend, sturmgepeitscht über die Schwarzwaldberge, brachten prasselnden Hagel- oder heftige Regenschauer mit sich und senkten sich über die weite Rheinebene zwischen Rastatt und Straßburg bis an die Höhen des Odenwaldes so tief auf das Land herab, daß es wie in graue Schleier dicht verhüllt dalag. In dem halben Mondlicht, welches unsicher durch eine Lücke in den jagenden Wolken drang, sah man einen letzten Streifen Schnee matt aufleuchten und das Blitzen auf den fast aus ihrem Bette tretenden Wellen der Murg. Der warme Tauwind bog die Spitzen der schlanken Tannen und Föhren, womit alle Berge rings vorwiegend bewaldet waren, hin und her wie dünne Gerten, zauste und riß die kahlen Äste der Eichen und Buchen, daß sie sich wanden wie in großer Not, und entwurzelte hier und dort einen Baum, der keine Hilfe und keinen Halt in der Nachbarschaft fand. Es war ein böses Wetter, und wen nicht die Not hinaustrieb aus seinen schützenden vier Wänden, der blieb heute sicher daheim. Der Weg von Kuppenheim nach Rastatt lief an der Murg entlang und war den ganzen Abend völlig einsam gewesen. Am jenseitigen Ufer, wo der weite Park des damals neuerbauten Schlößchens Favorite begann, lag hart am Flusse ein sehr kleines Häuschen, einsam zwischen einigen Äckern, welche sich an den Kuppenheimer Gemeindewald schlossen. Die

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